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MVCP Togo

Mission des Volontaires Contre la Pauvreté

Zeugnisse

Seit Beginn der Arbeit im Jahr 1999 haben die Mitarbeiter der MVCP eine grosse Zahl von jungen Menschen in ihrer Ausbildung begleitet und gefördert. Einige von ihnen sind trotz dieser Förderung auf keinen guten Weg gekommen. Andere sind zwar in eine gute Richtung gestartet, aber wir haben sie irgendwann aus den Augen verloren. Einige sind aber weiterhin mit uns verbunden, so dass wir von ihnen und ihren Erfahrungen lernen können, wie diese Arbeit noch besser gemacht werden kann.

Die nachstehend geschilderten Einzelschicksale sind aus togolesischer Sicht nicht besonders dramatisch. Es sind einfach Lebensgeschichten, wie sie dort vorkommen. Sie geben hoffentlich einen kleinen und verständlichen Einblick in die alltäglichen Probleme junger Menschen in diesem Land und auch darin, wie sich die Mitarbeiter der MVCP ihrer annehmen.

Ohne Hilfe durch Organisationen wie MVCP hätten Kokou, Simone, Antoine, Laurent und viele andere keine Chance auf eine Schulbildung gehabt und erst recht nicht auf eine Berufs- oder Fachausbildung. Das eindrückliche Potential, das in ihnen schlummerte, wäre somit einfach für ihr Land verloren gegangen. Nun sind sie auf gutem Weg und das ist für alle Mitarbeiter und Förderer der MVCP eine grosse Motivation, das angefangene Werk weiter zu führen.

Wir sind sehr dankbar für alle, die uns dabei unterstützen wollen und bisher unterstützt haben.


Kokou ADANDE-AMOUZOU

Wir haben Kokou kennen gelernt, als er im Jahr 2000 zum 2. Mal das Abschlussdiplom der Primarschule, das CEPD (Schulsystem) erringen wollte. Das Vorhaben misslang. Weil seine von Polio schwer invalide Mutter das Schulgeld nicht bezahlen konnte, wurde er gar nicht zur Prüfung zugelassen. Sein Vater war 3 Jahre zuvor gestorben. Der hatte mit Kokous Mutter 2 und mit einer anderen Frau weitere 4 Kinder. Bei seinem Tod hat er den beiden Familien nichts hinterlassen.

MVCP hat anschliessend den Jungen ausgerüstet und nochmals in die Abschlussklasse CM II geschickt, die er mit Bravour abschloss. Er hatte den höchsten Notenschnitt von über 500 Schülern dieser Schule. Nun wollte er naturgemäss mit der 6. Klasse, der ersten Klasse des Collège, seine Karriere weiter verfolgen. Aber weil er bereits 13 war, wurde er für diese Klasse an keiner öffentlichen Schule mehr zugelassen.

Ein Jammer, wenn ein so begabter Junge hier seine Ausbildung hätte abbrechen müssen. Es blieb kein anderer Weg, als ihn vorerst in einer Privatschule einzuschreiben. Dort hat er so gut gearbeitet, dass er gleich 2 Schuljahre in einem Kalenderjahr schaffen konnte. Dieser Erfolg öffnete ihm den Weg zurück an eine öffentliche Schule, wo er bald das BAC mit Auszeichnung bestand und anschliessend an der Uni Lomé ein Betriebswirtschafts-Studium beginnen konnte.

Inzwischen ist Kokou 24 und bereitet sich auf den Master-Abschluss vor. Parallel zum Studium an der Uni hat er bereits einen Abschluss als Wirtschaftsinformatiker geschafft. Ausserdem erteilt er reichen Kommilitonen und Schülern Nachhilfe-Unterricht und verdient so genug für seinen Lebensunterhalt und auch für den seiner invaliden Mutter und seines jüngeren Bruders.

Kokou gab kürzlich zu Protokoll, dass er alles Gute in seinem Leben der MVCP verdanke. Für die Mitarbeiter der MVCP ist es ein Aufsteller, solch begabten und aufgestellten jungen Menschen helfen zu dürfen.

Im Herbst 2011 hat Kokou zusammen mit ein paar Freunden den 'Verein der Ehemaligen der MVCP' gegründet, d.i. ein Verein von Menschen, die einmal durch MVCP unterstützt wurden. Durch diesen Verein wollen sie, die in schwieriger Zeit von der MVCP viel erhalten haben, deren Arbeit unterstützen. Jetzt, wo sie selber aus dem Gröbsten heraus sind, wollen sie aus Dankbarkeit auch wieder etwas zurück geben. Sie haben Geld gesammelt und wollen damit Schüler unterstützen, die jetzt Hilfe brauchen. Sie haben diesen Jungen ausserdem feierlich versprochen, dass sie deren Studien durch Nachhilfe-Unterricht und andere Hilfen fördern wollen.

So tragen die 'Investitionen' der MVCP in diese jungen Menschen jetzt doppelt Früchte.


Simone GNAKPAO

Simone ist für uns wie eine Waise, obwohl ihre Eltern vermutlich noch am Leben sind. Ihr Vater ist verschollen. Vielleicht hat er in einer anderen Stadt eine neue Familie gegründet. Auf jeden Fall ist von ihm kein Aufenthaltsort bekannt. Nach dem Verschwinden des Vaters ist Simones Mutter eines Tages nach Ghana zu ihrer Mutter abgereist und hat ihre Tochter allein in Lomé zurück gelassen.

Simone, damals 18, war völlig mittellos und hauste allein in einem verlassenen Auto-Wrack in unserem Quartier. Mit Hilfe der MVCP konnte sie aber eine Lehre als 'Aluminium-Schreinerin' durchstehen und 2012 abschliessen (als 'Alu-Schreinerin' produziert sie Fenster- und Türrahmen und andere Produkte aus Alu-Profilen). MVCP hat für sie das Lehrgeld bezahlt und auch ein einfaches Zimmer gemietet. MVCP hat sie ausserdem regelmässig mit Lebensmitteln versorgt und ihre Arzt-Rechnungen bezahlt wenn sie krank war. Freunde von uns haben ihr eine Matratze gekauft, damit sie nicht auf dem nackten Boden schlafen muss, denn sie leidet bereits an Rheuma.

Da sie eine tüchtige Arbeiterin ist, hätte Simone nach Abschluss der Lehre bei ihrem Lehrmeister weiter arbeiten können. Aber der will ihr dafür keinen Lohn zahlen. Dann hat sie sich bei anderen Betrieben beworben, aber den gleichen Bescheid erhalten: sie kann arbeiten kommen, aber einen Lohn darf sie nicht erwarten. Deshalb hat MVCP ihr und einem anderen jungen Schreiner 2013 geholfen, einen eignen Betrieb aufzubauen. Die beiden werden dazu von Spezialisten der MVCP in Betriebswirtschaft, Kalkulation, Marketing etc. geschult und sie werden anschliessend bei der Realisierung des Vorhabens weiter begleitet und beraten.

2014 haben wir einige Spenden erhalten, welche den Start dieses Projektes ermöglichten. Dieses Geld wird zum grossen Teil als Darlehen (sog. Mikrokredit) gewährt, rückzahlbar in 3-4 Jahren wenn der Betrieb läuft und Gewinne abwirft.

Die Hilfe der MVCP zum Aufbau dieses neuen Betriebes ist an eine weitere Bedingung geknüpft: es sollen hier so bald wie möglich weitere Lehrlinge ausgebildet werden, aber zu fairen Bedingungen und nicht nach dem Muster, wie sie selber behandelt wurden. So sollte langsam eine neue Kultur in diesen Arbeitsmarkt einkehren.


Antoine EDOH

Antoine lebte mit seiner Mutter und 2 Geschwistern ein paar km ausserhalb des Dorfes Sanguera (etwa 30km NW Lomé) und besuchte das Collège in Sanguera. Der Vater des Jungen war gestorben. Antoine war in der '5ème', der 2. Klasse des Collège, als uns sein Lehrer im Jahr 2000 auf ihn aufmerksam machte, denn der Junge konnte wegen Unterernährung nur schlecht in der Schule arbeiten.

Zusammen mit einigen anderen Schülern der gleichen Schule wurde er in der Folge durch MVCP unterstützt.

Aber 2003 brach ein grosses Unglück über die Familie herein: Sturm und starker Regen brachten eines Nachts ihr Haus zum Einsturz. Das Haus war aus Erdziegeln gebaut und fiel auf die Schlafenden. Der Mutter wurden durch diesen Unfall beide Arme und einige Rippen gebrochen. Später erkrankte sie ausserdem an Gelbsucht. Auch Antoines Bruder brach sich ein Bein und einen Arm. Antoine und seine Schwester wurden nur leicht verletzt. Aber jetzt hatten sie grosse Probleme: kein Dach über dem Kopf mitten in der Regenzeit, kein Essen in der Pfanne und kein Geld für die Versorgung der Verletzten. Antoine hatte danach grosse Probleme in der Schule, aber einige unserer Freunde in der Schweiz unterstützten ihn finanziell und ermöglichten so sein Überleben und das seiner Familie. Eine befreundete christliche Organisation finanzierte ihnen ein neues Haus aus Erdziegeln.

Diese Unterstützung hat Antoine Kraft gegeben um sich durchzukämpfen. Er hat schliesslich im 2. Anlauf die Matur bestanden und mit Hilfe der MVCP ein Jura-Studium angefangen. Heute ist er ein aufgestellter junger Mann. Er steht im 5. Studien-Semester und hat das Privileg, daneben eine Teilzeitstelle in einem Anwaltsbüro zu belegen. Der bescheidene Lohn aus dieser Anstellung ermöglicht es ihm, seine immer noch leidende Mutter zu unterhalten und auch die Ausbildung seiner jüngeren Geschwister zu fördern.


Laurent BAKINAM

Laurent wohnte mit seiner Familie in der kleinen Stadt Badou im westlichen Zentraltogo. Er war 13 Jahre alt als sein Vater starb. Seine Mutter konnte nach dem Tod ihres Mannes ihre 5 Kinder nicht mehr alle ernähren. In ihrer Verzweiflung schickte sie deshalb Laurent, ihren Ältesten, allein in die 200km entfernte Hauptstadt Lomé mit der Anweisung, sich dort seinen Lebensunterhalt selber zu verdienen. Laurent kam tatsächlich in Lomé an, war aber bald völlig verzweifelt und am verhungern. Auf einer verlassenen Baustelle richtete er sich aus Abfall ein Lager zum Schlafen ein und streunte durch die Strassen der unbekannten Stadt, um etwas Essen zu erbetteln.

Ein Mann fand den verwahrlosten Jungen und brachte ihn in seine Kirche, wo er in einem Hinterzimmer wohnen durfte und auch etwas zu Essen bekam. Danach brachte ihn jemand ins Büro der MVCP. Ein Mitarbeiter der Organisation nahm sich des Buben an, schrieb ihn in einer nahe gelegenen Schule ein, zahlte das Schulgeld für ihn und rüstete ihn aus, damit er dort den Unterricht besuchen konnte.

Laurent war ein sehr guter Schüler. Er bestand einige Jahre später die Maturitäts-Prüfung BAC mit Auszeichnung und hat vor einiger Zeit auch ein Studium an der Universität Lomé als Exportkaufmann abgeschlossen. Vor 2 Jahren stellte ihn ein Schuldirektor als Fachlehrer ein. Offenbar hat er da seine Sache gut gemacht, denn er wurde weiter empfohlen und bekam nach seinen Aussagen so viele Anfragen als Fachlehrer, dass er einige Angebote ablehnen musste. Inzwischen ist er 'ein gemachter Mann', 26jährig, und will bald eine Familie gründen. Er arbeitet in der MVCP mit, der Organisation, die ihm diese Ausbildung ermöglicht hat, und stellt seine Kenntnisse auch einem anderen Hilfswerk zur Verfügung.

Der Kontakt mit seiner Mutter konnte später wieder hergestellt werden und Laurent hat sich dafür eingesetzt, dass seine jüngeren Geschwister ebenfalls eine Ausbildung geniessen konnten.

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MVCP Togo - Ihr Partner für nachhaltige Entwicklunshilfe ist eine per Dikret Nr. 298/MEFP/2004
von der togolesischen Regierung anerkannte Hilfsorganisation

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